Eugen Kaufmann, Tägerwiler Automobilpionier
In Tägerwilen gab es viele Pioniere, seien es Weinpioniere, Baupioniere oder Automobilpioniere. Eugen Kaufmann war das letztere. Er lebte von 1874 — 1951 und hat auch hier Tägerwilen gelebt. Er war in der Castelstrasse 29 a sesshaft. Wir wollten ein wenig mehr über das Leben von Herrn Kaufmann erfahren, zum Beispiel warum er nicht in Tägerwilen blieb, oder wie er überhaupt in das Autogewerbe kam. Deshalb haben wir ein wenig nachgeforscht. Die Ergebnisse und das, was wir herausfanden haben, haben wir hier für Sie in tagebuchartigen Beiträgen zusammengefasst, damit ein jeder das Leben von Eugen Kaufmann erkunden kann. Los geht’s!
14.04.2016
Heute hat mir mein Chef-Redakteur eine komplizierte Aufgabe gestellt. Oder besser gesagt gefragt, ob er sie mir stellen dürfe. Es ging darum, dass er einen Beitrag zu Herrn Eugen Kaufmann auf diese Seite bringen wollte. Da ich zu dieser Zeit keine anderen Aufträge hatte, nahm ich an. Und so erzählte er mir das, was man von Herrn Kaufmann wusste. Nämlich, dass er Autopionier war, eine kleine Firma in Tägerwilen besass, dass er an der Castelstrasse 29 a wohnte und dass er Tägerwilen um 1905 verliess, da seine Firma bankrott ging. Nicht gerade viel… Aber mein Chef-Redakteur hatte schon sehr gute Vorarbeit geleistet, nämlich mehrere E‑Mails an Personen geschickt, die etwas von Herrn Kaufmann wissen könnten. Die meisten waren aber ein Reinfall. Das heisst, ich bin nicht schlauer als vorher. Ich werde jetzt dann mal einen Blick in das Tägerwiler Buch werfen. Und die E‑Mails nochmals durchsehen. Vielleicht bin ich ja dann nächste Woche schlauer.
21.04.2016
Die Bücher waren eine gute Idee. Ich habe nämlich herausgefunden, dass die Firma Kaufmann, die Firma von Herrn Eugen Kaufmann, für die Stadt Konstanz ein paar Omnibusse herstellte. Jeder hatte 20 Plätze. Ausserdem werden diese Omnibusse im Buch Der „Rote Arnold” als Saurer bezeichnet. Sie wurden von der Stadtverwaltung Konstanz gekauft und sind für die Linie Konstanz-Reichenau verwendet worden… Wir machen also Fortschritte… Mir ist da nämlich eine Idee gekommen, auf die ich schon viel früher hätte zurückgreifen sollen…
28.04.2016
Egal wie schlimm einige das Internet finden, wenn es um Sachen geht wie Informationen suchen, ist es Spitzenklasse! Nach dem Googlen von Eugen Kaufmann kamen sofort viele Beiträge. ”Jackpot” dachte ich mir. Aber die Freude wich schnell dem Frust, denn bei allen Beiträgen handelte es sich um den britischen Architekten Eugen Kaufmann. Aber nach dem ich eine gefühlte Ewigkeit mich durch die Beiträge geklickt hatte, kam ein Beitrag von Wikipedia, der den Namen Kaufmann (Autohersteller) trägt. Dadurch hab ich in Erfahrung gebracht, dass …
- Herr Kaufmann bei der Bernina Steckborn ausgebildet worden ist.
- er danach bei der Firma Benz & Cie arbeitete.
- er 1896 die Firma Kaufmann hier in Tägerwilen gründete.
- diese nach nur wenigen Monaten auf eine Belegschaft von 20 Mann wuchs.
- die Firma nach 1905 bankrott ging.
Das war uns ja schon so einigermassen bekannt. Ausserdem stimmt uns bis hierhin das Tägerwiler Buch zu. Aber dann spalten sich die Quellen. Wikipedia sagt, dass er dann nach Zürich ging und dort die Firma Millot AG gründete, während das Tägerwiler Buch sagt, dass Eugen Kaufmann ins Deutsche ging. Ich habe mich danach auf Zürich konzentriert. Denn beim anderen fehlt von ihm danach jede Spur.
19.05.2016
Auch heute habe ich wieder bei Wikipedia nach Herrn Kaufmann und seiner zweiten Firma Millot AG gesucht. Dort stand folgendes:
- Er gründete die Firma 1906
- Die Modelle zählten zu stärksten und teuersten der ganzen Schweiz
- Die Produktion endete 1907 nach nur wenigen verkauften Exemplaren.
Wie viele Autos er verkaufte, ist unklar. Es waren einfach sehr wenige. Dann enden die Spuren von Herrn Eugen Kaufmann. Zumindest auf Wikipedia.
26.05.2016
Wir wissen nun schon sehr viel von Herrn Eugen Kaufmann. Ab das ist leider zu wenig. Seine Spur verliert sich nach dem Schliessen seiner Firma um 1907. Darum durfte ich als Auftrag von meinem Chef Herrn Sutter einen Brief an die Einwohnerkontrolle Zürich schreiben. Was ich jetzt gleich erledigen werde. Vielleicht bringt dieser ja mehr Licht in die Angelegenheit.
16.06.16
In den letzten Wochen ist nichts Bahnbrechendes geschehen. Ich habe die Briefe geschrieben und sonst noch ein wenig recherchiert. Aber heute ist dann endlich der Brief, den ich nach Zürich gesandt habe, zurückgekommen. Mit erheblich vielen Informationen. Wir wissen nun nämlich eine ganze Menge mehr, unter anderem:
- Herr Kaufmann zog mit Kind und Kegel nach Zürich; in die Seefeldstrasse 167 um genau zu sein.
- Zu Kind und Kegel gehörten seine Frau Lina Henriette Kaufmann, seine Tochter Lina Elsa, sein Sohn Paul und seine Tochter Tilda Bertha.
- Während er in Zürich war, wurde noch sein Töchterlein Emmy geboren.
- Am 25. September 1906 ist er nach Höngg umgezogen.
- Von dort aus zog er nach Menziken im Kanton Aargau.
Dort verliert sich seine Spur. Der nächste Schritt wird es wohl sein, einen Brief an die Gemeindeverwaltung von Menziken zu schreiben.
Nach längerem Warten musste ich einsehen, dass aus Menziken wahrscheinlich keine Antwort zu erwarten ist. Schade. Das war der letzte Anhaltspunkt für die Recherchen nach Herrn Kaufmann.
Das heisst also, dass dieses “Tagebuch” hier endet. Aber wir haben vieles herausgefunden. Eine genaue Aufzählung aller Dinge, die wir herausgefunden haben, wird weiter unter auf Sie warten. Ich hoffe, Sie haben ein wenig mehr erfahren. Falls Sie noch Information haben sollten, dürfen Sie sich gerne melden.
Vor allem sind wir sehr an Bildern von ihm oder seinen Autos und Lastwagen interessiert!
Das Leben von Eugen Kaufmann
- Kaufmann wird 1874 geboren
- Er lebt in der Castelstrasse 29a
- Wird in der Bernina ausgebildet
- Arbeitet dann bei der Firma Benz & Cie
- 1896 die Firma Kaufmann hier in Tägerwilen gründet
- Die Firma Kaufmann stellt für die Stadt Konstanz einige Omnibusse her.
- Die Firma geht 1905 bankrott
- Herr Kaufmann zieht mit seiner Frau und seinen Kindern nach Zürich in die Seefeldstrasse 167
- Bekommt in Zürich noch ein Töchterchen
- Zog an 25.09.1906 nach Höngg um
- Er gründet die Firma Millot AG
- Die Firma geht 1907 mit nur wenigen verkauften Exemplaren bankrott
- Er zieht nach Menziken im Kanton Aargau um
- Er stirbt 1951
(erstellt von unserem jüngsten Vereinsmitglied)
Im Pantheon Basel, steht ein Fahrzeug von Herrn Kaufmann. Unter dem Namen “la Belle”
Danke Herr Krayer für den Hinweis! — Tatsächlich steht nicht ‘ein’ Fahrzeug von Kaufmann dort, sondern vermutlich ‘das’ Fahrzeug. Es dürfte nämlich eines der letzten weltweit sein.
Ich habe mit großer Verwunderung diesen Artikel gelesen. Es handelt sich hier um meinen Grossvater mütterlicherseits. Meine Mutter war die Lisa Elsa.
Ich heisse Ingrid Schleip, geb.Dietz, bin in Davos geboren und lebe in Meckenheim bei Bonn, Deutschland. Ich habe Bilder meines Grossvaters, der in Bonn Bad Godesberg lebte und starb.
Sehr geehrte Frau Schleip
Können Sie uns von Ihrem Grossvater mehr erzählen? Das wäre toll.
Sehr geehrter Herr Sutter,
ich war ein Kind (geboren 1944), als wir 1948 zu meinem Großvater und meiner Großmutter sowie meiner Tante Tilde nach Bonn-Bad Godesberg in sein Haus zogen. Dieses war für heutige Begriffe eine Villa mit 4 Stockwerken. Mein Großvater hatte etwas erfunden und patentieren lassen, ich kannte es immer als “Schweißpulver”, kann es aber nirgendwo finden. Damit muss er seinen Reichtum begründet haben. Er war ein leidenschaftlicher Jäger, hatte eine große Jagd gepachtet, im Herrenzimmer hingen Auerhahn und sonstige Tiere, die mich als Kind immer erschreckt haben. Ansonsten war er ein sehr strenger Mann, ganz und gar Patriarch. Meine Großmutter war kränklich, an sie habe ich kaum Erinnerungen. Die Großeltern hatten ein Dienstmädchen, eine Weißnäherin und einen Gärtner. Meine Mutter hatte einen Deutschen (Wilhelm Dietz) geheiratet, den mein Großvater nicht sonderlich schätzte, uns aber beim Umzug von Davos (mein Vater hatte dort ein Schreibwarengeschäft) etliche Räume im Haus in Godesberg zur Verfügung stellte. Mein Großvater konnte einfach alles, er konnte kochen, backen, er räucherte Fleisch in seiner Räucherkammer und wenn im Rheinland Karneval war, versammelte sich die ganze Familie, meine Tante Tilde, meine Tante Emmy mit Mann und meiner Cousine Helga und meinem Cousin Herbert und meine Mutter und mein Vater (meine 3 Brüder waren nicht mehr zuhause), auf der Terrasse und nahmen die Fahnenparaden der Vereine aus Bad Godesberg vor dem Haus ab, hinterher verteilte mein Großvater jedem einen Schnaps. Als Schweizer war er in der Nachbarschaft beliebt als Arbeitgeber (Deutsche hungerten) aber auch gefürchtet ob seiner Strenge. Es gab einen sehr großen Garten, in dem er große Fallen aufstellte für Marder und Iltisse. Eines Tages ging er in den Garten, um eine Blume anzusehen und kam nicht wieder. Meine Mutter ging ihn suchen und fand ihn tot im Garten liegen. Er hatte einen Herzanfall erlitten. Dies war meines Wissens 1953, den Monat und Tag weiß ich nicht mehr. Er wurde auf dem Zentralfriedhof in Bad Godesberg im Familiengrab (Großmutter und der Sohn Paul) beerdigt. Das Grab gibt es nicht mehr. Außer mir und meinen Kindern und Enkel sind sämtliche Familienmitglieder tot. Bilder habe ich aus früheren Zeiten, wenn es Sie interessiert, schicke ich Sie Ihnen. Mit freundlichen Grüßen in die Schweiz, Ingrid Schleip
Liebe Frau Schleip
Herzlichen Dank für Ihre Informationen. Ist ja toll, was dieser Mann alles erlebt hat. Ein bewegtes Leben!
Wir freuen uns auf Ihre Bilder, die wir dann gerne hier veröffentlichen. Selbstverständlich überarbeiten wir den Lebenslauf Ihres Grossvaters.