Auf Beginn des Schuljahres 1989/90 wurde der Schuljahresanfang in der ganzen Schweiz verbindlich geregelt: Das Schuljahr startete neu für alle Kantone einheitlich nach den Sommerferien.
Folgende Kantone mussten vom Frühling zum Herbst umstellen:
Zürich, Bern, Aargau, Thurgau, Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Schwyz, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn, St. Gallen.
Das “Langschuljahr” dauerte vom 01. April 1988 bis zum 31. Juli 1989.
Den Schülerinnen und Schülern im Thurgau wurden in dieser “Verlängerung” neben zusätzlichen Schul- ein paar zusätzliche Ferienwochen geboten, die Lehrerschaft wurde in dieser Zeit zu interner Projektarbeit verpflichtet.
Die gesamte Lehrerschaft Tägerwilen realisierte unter der kompetenten Leitung von Ernst Hofstetter (Reallehrer und sehr aktiv bei der Zentrumbühne Bottighofen) ein Kursprojekt der ganz besonderen Art:
DIE TOLLEN ZWANZIGER
Weil auch ich damals Teil des Ensembles war, möchte ich keine weiteren Kommentare abgeben und vielmehr den Artikel des Journalisten zur Verfügung stellen, der nach der Premiere in der Thurgauer Zeitung am 5. Mai 1989 erschienen ist.
Nachfolgend dann das gesamte Programm in leichtverdaulichen Häppchen und die Fotos, die erhalten geblieben sind!
Ich wünsche allen gleichviel Spass beim Hören, wie wir damals beim Spielen hatten!
Bruno Sutter, Dezember 2025
Thurgauer Zeitung, Freitag, 05.05.1989
Tägerwilen: «Tolle Zwanziger»
Lehrerschaft präsentiert als Kursprojekt eine musikalische Revue
Von Hermann Schröer, Tägerwilen
Was können Lehrer nicht? Müssig die Frage, denn sie können sich auch, nostalgisch orientiert, musikalisch äussern in einem Programm, dessen Qualität an Professionalität heranreichte, auf Musical-Niveau mit den vielfältigen Ausdrucksformen von Chanson, Kabarett, Ensemble-Gesang und Rezitation, in dem alle ihre Fähigkeiten der Darstellungskunst gefordert waren. So geschehen und noch zu sehen in Tägerwilen.
Der pathetische Charme der hemmungslosen «goldenen zwanziger Jahren» brachte den Esprit der geistigen Elite zur Blüte, deren Absicht als sozialkritischer Kontrast Wirkung zeigen sollte, ein Gegensatz, der aber schliesslich über Kabarettreife nicht hinauswuchs. Was übrig blieb, war eine pittoresk-verspielte Zeitkritik, nicht ernst genommen, doch als Vorlage zur amüsanten Unterhaltung immer gut genug. Kitsch-as-catch-can stand neben ausgelassener Fröhlichkeit, Imponiergehabe von unnachahmlicher Dreistigkeit neben hintergründiger Satire und aufklärerischer Grundhaltung. Je nach Blickwinkel ist auch eine gehörige Portion Sarkasmus und bittere Ironie erkenntlich, und von dieser Mischung angeregt, hatte Ernst Hofstetter sein Programm «Die tollen Zwanziger» entworfen – ein dankbares Sujet, wen man damit umgehen kann.
Höhepunkt an Originalität
Die Bühne erinnerte an das «Café Wien» der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Die Atmosphäre war erwartungsvoll gespannt, als der Vorhang sich öffnete. An den Tischen auf der Bühne sassen die Akteure, angeregt plaudernd, bereit, ihre Hochstimmung auf das Publikum im überfüllten Theater zu übertragen – dem damaligen Zeitgeist entsprechend: animieren der Geldaristokratie im samtplüschigen Logentheater. Überraschend stimmlich straff begannen alle Mitwirkenden nach der Ouvertüre, textdeutlich mit einem Potpourri schwungvoller Schlager mit einem Schuss Parfum, lasziver Erscheinungsformen des damaligen «pay one’s way» patiniert. Fröhliche Unbeschwertheit strahlte von der Bühne herab: sinnlich-intelligent der Lorgnetesnob, die Damen mit Bracelet und Stirnband verziert, dekolletiert und mit Blumentopfhüten gekrönt – ebenso modeorientiert die Herren, zwischen den Menjou-Bärtchen bis zu den grauen Gamaschensmoking-betucht-adrett- so herausgeputzt und mit dem Vortrag ihrer in spritzige Melodien gekleideten Texte war der Auftritt ein Höhepunkt der Originalität.
«Muss man unbedingt sehen»
Mit Schlagzeilen wurden zur Orientierung die Jahrgänge an ihren markanten Ereignissen aufgezählt. Kontraste gesetzt wurden Tucholsky‑, Kästner- und Brecht-Texten zwischen den Schlagern «Tante Paula liegt im Bett», «Ich bin von Kopf bis Fuss» und «Benjamin, ich hab nichts anzuziehn». Besonderes Vergnügen bereitete der Ensemble-Vortrag «Was macht der Maier am Himalaya», ein Schlager von frivoler Leichtigkeit, von schlüpfriger Verrücktheit – gekonnt in der Wiedergabe von überschäumendem Temperament, daher auch im Finale für viel Applaus wiederholt. Geschickt im Vortrag ironisch-geistvoller Texte überzeugten die Chanson-Sänger und Sängerinnen: vielleicht hätte man einige der Rezitationen mit mehr Intensität aufladen können. Das Mini-Ensemble (Klavier, Bass-Gitarre und Schlagzeug), aus Platzmangel «an die Wand geklebt», begleitete vollgriffig und rhythmisch präzise. Insgesamt vermittelte bereits die Premiere den Eindruck eines opulenten Musicals, das man unbedingt hören und sehen muss.
FÜR SIE
DER PAPAGEI …
WAS MACHST DU MIT DEM KNIE …
WO SIND DEINE HAARE, AUGUST
HALLO, DU SÜSSE KLINGELFEE
SONNY BOY
VERONIKA, DER LENZ IST DA
Ensemble
Was für eine tolle Überraschung, diesen “Tollen Zwanzigern” wieder zu begegnen! Mit Freude denke ich an die schöne Zeit zurück. Für mich war das Beste daran, dass eine komplette Lehrerschaft sich zu einem gemeinsamen Projekt zusammen fand. Die Aufnahmen bezeugen, mit welcher Spiellust alle dabei waren.
Danke für diese gelungene Zusammenstellung.
…das waren noch Zeiten…
Alle Akteure so jung und frisch — unglaublich, wie die Zeit vergeht. Ich wusste gar nicht, dass wir so eine gute Rezension hatten. An mir hat´s nicht gelegen. Das Schauspieltalent fehlt mir heute noch, aber Spass hat es auf jeden Fall gemacht und man erinnert sich immer wieder gerne daran. Danke für die grosse Arbeit, das ganze Material zusammenzutragen und aufzubereiten.