Feine Häuser und ihre Besitzer

Schon immer gab es auch hier bei uns ange­se­he­ne und ver­mö­gen­de Fami­li­en. Vie­le leb­ten damals auf soge­nann­ten Frei­sit­zen.
Die Besit­zer der Frei­sit­ze waren lan­des­un­mit­tel­bar. Das heisst, sie hat­ten — mit ihren Fami­li­en, Ange­stell­ten und ande­ren Mit­be­woh­nern — ihren Gerichts­stand erst vor dem Land­ge­richt und waren von städ­ti­schen Steu­ern und wei­te­ren Las­ten wie Ein­quar­tie­rung, Wacht­pflich­ten uä. befreit.

Heu­te sind sol­che Pri­vi­le­gi­en natür­lich längst abgeschafft!

1 Schloss Cas­tell
2 Pfaf­fen­schlöss­li
3 Schloss Girs­berg
4 Schloss Ebers­berg
5 Schloss Brunnegg

6 Gut Hoch­strass
7 Oken­fi­ner
8 Schloss Pflanz­berg
9 Schloss Gott­lie­ben
10 Schloss Hertler

Rund um Täger­wi­len gab und gibt es eini­ge feu­da­le Anwe­sen, die meist auch Frei­sit­ze waren. Sie sind hier auf­ge­zeigt und wer­den anschlies­send ganz kurz beschrieben.

In der abschlies­sen­den Über­sicht sind dann die Besit­zer die­ser fei­nen Häu­ser im Lau­fe der Zeit dar­ge­stellt. Dabei wird nicht unter­schie­den, ob die Lie­gen­schaft im abso­lu­ten Besitz oder als Lehen gehal­ten wur­de.
Eben­so bezie­hen sich Namen immer auf die Fami­lie. So ist es zum Bei­spiel zu ver­ste­hen, wenn im Gut Hoch­strass seit 1943 Onken als Besit­zer auf­ge­führt wird, obwohl die Lie­gen­schaft im Jahr 1970 der Immo­bi­li­en­fir­ma Gut Hoch­strass AG über­tra­gen wur­de. Die­se Fir­ma ist eben immer noch in den Hän­den der Fami­lie Onken.

1

Schloss Cas­tell war bis 1823 Lehen der Bischö­fe von Kon­stanz.  Den Grund­stein zum heu­ti­gen Schloss leg­ten die Zol­li­ko­fer, die 1725 das statt­li­che Wohn­haus prä­gend umbau­ten. Für die heu­ti­ge Erschei­nung ist Adri­an August Gon­zal­vo Maxi­mi­li­an von Sche­rer (1848–1901) verantwortlich.

2

Das Pfaf­fen­schlöss­li war ursprüng­lich in Hän­den der Geist­lich­keit, dar­um sein Name. 1584 wur­de es zum Frei­sitz.
Die von Sche­rers von Cas­tell trach­te­ten danach, ihre Län­de­rei­en abzu­run­den und kauf­ten 1841 den Besitz.
1958 Opfer einer Zivilschutz-Übung.

3

Schloss Girs­berg war 1840 ein nobles Weih­nachts­ge­schenk: Die Fami­lie Macai­re ermög­lich­te so ihrer Toch­ter und ihrem Ehe­mann, Graf Fried­rich von Zep­pe­lin, ein stan­des­ge­mäs­ses Woh­nen. Seit 1582 galt er als Freisitz.

4

Seit 1579 war Schloss Ebers­berg Frei­sitz. Eber­hard von Zep­pe­lin, der Bru­der vom Luft­schif­fer Fried­rich von Zep­pe­lin (Girs­berg), erwei­ter­te den Grund­be­sitz und liess das Wohn­ge­bäu­de zum Schloss umbauen.

5

Die (einfluss)reiche Fami­lie Bla­rer aus Kon­stanz führ­te Schloss Brunn­egg zur ers­ten Blü­te. Seit 1626 galt es als Frei­sitz. Die Fürs­ten von Thurn und Taxis nann­ten es ihr Eigen, und über hun­dert Jah­re gehör­te es der Fami­lie Binswanger.

6

Als Was­ser­burg im Mit­tel­al­ter ange­legt, gehör­te Gut Hoch­strass unter ande­rem den Fami­li­en Munt­prat, de Gall und von Land­see. Seit 1554 war es Freisitz.

7

Wenn einem beim Oken­fi­ner die bei­den Erker an jene der Dra­chen­burg in Gott­lie­ben erin­nern, liegt es wohl dar­an, dass bei­de Häu­ser damals der glei­chen Fami­lie Mey­er gehör­te. Auf dem Frei­sitz von 1616 leb­te unter ande­ren auch Johann Kon­rad Egloff, der sich im Son­der­bunds­krieg auszeichnete.

8

Der Pflanz­berg kann viel­leicht die ältes­ten Grund­mau­ern von Täger­wi­len auf­wei­sen. Man ver­mu­tet ein ehe­ma­li­ges Klös­ter­chen dort.  Das Anwe­sen erleb­te im 19. Jh. sehr vie­le Besit­zer­wech­sel. Auch Vic­tor Neher vom Alu­mi­ni­um­werk in Kreuz­lin­gen besass den Frei­sitz (1701) für zwei Jah­re von 1917 bis 1919.

9

1251 liess der Bischof von Kon­stanz  Schloss Gott­lie­ben zusam­men mit einer Brü­cke über den Rhein erbau­en. Die Brü­cke hat­te nicht lan­ge Bestand. Das Schloss umso mehr. Das heu­ti­ge Aus­se­hen ver­dankt das Schloss Prinz Lou­is Napo­lé­on, dem spä­te­rem Kai­ser der Fran­zo­sen: Napo­lé­on III.

10

1986 abge­ris­sen: So ist der Lauf der Zeit!
Schloss Hertler, das 1575 zum Frei­sitz wur­de, das ein­mal der Fami­lie Hip­pen­mey­er aus Gott­lie­ben gehör­te, das von der bedeu­ten­den Fami­lie Ammann bewohnt wur­de, das die Fir­ma Gaut­schi Elec­t­ro-Fours beher­berg­te — abge­ris­sen und neu über­baut.
Letz­ter Zeu­ge der ver­gan­ge­nen Pracht ist der  acht­ecki­ge Pavil­lon am Pan­ora­ma­weg.
Wer ach­tet ihn inmit­ten der Neubauten?

Hier sind die fei­nen Häu­ser und ihre Besit­zer in einer gro­ben Über­sicht dar­ge­stellt.
Die hori­zon­ta­le Ach­se ist die Zeit­ach­se.
Die Gra­fik beginnt im Jahr 1500 und endet mit den aktu­el­len Besit­zern im Jahr 2025.

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