Otto Müller

Kaval­le­rist, Bau­er, Poet

lebens­froh, zufrie­den, hei­ter, lie­bens­wert kauzig

26. Janu­ar 1918 — 19. August 2016

erzählt im Kel­ler sei­nes Hau­ses an der Säge­stras­se 9 vom Mosten:

Auf­nah­me Ton und Bild: August 2014

Aber auch Gedich­te hat er geschrieben:

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(signier­ter Ori­gi­nal­text; zur Ver­fü­gung gestellt von Heinz Zür­cher, Win­kel ZH)

Gedichte aus seiner Feder:

Otto Mül­ler Dich­ter und Bauer

Gebo­ren am 26. Janu­ar 1918
92 Win­ter, 92 Frühlg, 92 Sum­mer, 92 Herbst
3 Johr Chin­der­schul
6 Johr Pri­mar­schul, 3 Johr Sekun­dar­schul
2 Johr Fort­bil­digs­schul
2 Johr Land­wirt­schafts­schul
1 ½ Johr Welsch­land
3 Johr Mili­tär­dienst RS, Aktiv­dienst und WK
22 Johr mit­ar­bei­ten­des Fami­li­en­mit­glied
30 Johr ver­hü­ro­tet, Sum­ma­suma­rum 60 Johr ledig
30 Johr ver­hü­ro­tet und jetzt 20 Johr gschie­de
3 mol Berg­heu­et und Gle­ge­heits­ar­bei­ter
47 Johr alli Tag 5.30 h ufgwa­chet Sunn­tig wie Wäch­tig
und 100’000 Stund Stall­ar­bet.
6 Johr Prä­si­dent R.V. Kreuz­lin­gen
5 Johr Schul­vor­ste­her und Prä­si­dent Bure­ver­ei­ni­gung
70 Johr Schüs­se im Ver­ein Täger­wi­le
70 Johr Sin­ge im Chor.

Beschei­den­heit ist eine Zier
doch wei­ter kommt man ohne sie

Pfas­nacht*

Wenn eim de Win­ter bald ver­lei­det
wenn d’Widebösche Chätz­li zei­ged
wenn d’Chäuder lär­med Nacht für Nacht
wenn öppe eine Kos­tüm macht.

Dänn isch sie do – dänn goht es los
die Nar­re­tei – und zwor ganz gross
Du kännst sie nüme – chast nid glau­be
es glän­zed tat­sach alli Auge.

Au die wo sust nünt vu sich gänd
jetzt eimol us sich use wänd
und jede hät es anders Ris­se
vum joh­le goht es bis zum Bisse.

Nid wänig nip­ped Zwei- und Drei­er,
und bruch­ed no de letz­ti Hei­er.
Die säbe wo dänn «Maschge­re» gönd
en jede grad ver­füh­re wänd.

Das heisst: Sie hal­ted all zum Nare
au mit der Lie­bei mös­me spa­re.
He lönds nu tobe – lönds nu mache
s’isch alles – alles drum zum Lache.

z’Züri

z’Züri bini letz­ti gsi
i üse­re gros­se Stadt
i fin­de so es bit­ze­li
isch da doch öppe glatt.

Toll isch die Lüt
und denn no vill
en Betrieb und e Züg
und nünt stoht still.

Bahn­hofs­tross uf
die Läde die Sache
ver­lürst fast de Schnuf
chasch nüme­mol lache.

Die Tram die Schö­ne
die blaue, die neue
die Fraue die vile
als isch zum freue.

Neger gsiet­me und susch vil Frem­di
und denn de Usblick a dr Schifflän­di
am See­feld wo schints au sust vil lauft
wird scho wie­der für e Ustel­lig baut.

Uff ein­mol noch däne Idrück, dene vile
hani gstu­diert über Täger­wi­le
was Züri anderst sei hani mit über­leit
do chunnts mer: nie­merd hät Grüezi gseit.

Eigent­lich woll­ten wir die Gedich­te unkom­men­tiert ver­öf­fent­li­chen.
Aber Otto wür­de sich bestimmt wun­dern, wenn er heu­te durch Täger­wi­len spazierte:

Er wür­de glau­ben, er sei in Zürich!

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